| Löschen
vs. Datenvernichtung
Wenn man Dateien und Verzeichnisse in Windows auf dem Weg über
den Explorer löscht, werden diese Dateien üblicherweise
in den Papierkorb verschoben. Wenn danach der Papierkorb gelöscht
wird oder aber beim Löschen der Papierkorb umgangen wurde,
scheint es als ob die Dateien für immer gelöscht wurden.
Dies ist nicht so. Die Verweise auf die Sektoren der Festplatte, die durch die
Datei belegt werden, werden in der Zuordnungstabelle für den
Wiedergebrauch markiert. So lange diese Sektoren nicht mit neuen
Daten überschrieben werden ist die zuvor "gelöschte"
Datei noch vollständig in Takt. Bei der großen Speicherkapazität
von heutzutage verwendeten magnetischen Medien kann dies schon eine
Weile dauern. Mit spezieller Hardware und Software können alle
Dateien wieder hergestellt werden. Selbst dann, wenn die Daten überschrieben,
die Festplatte formatiert oder der Boot Sector gelöscht wurde.
Das sind gute Neuigkeiten, wenn kritische Dateien wieder hergestellt
werden sollen und schlechte Neuigkeiten wenn verhindert werden soll,
dass fremde Personen private Daten lesen können.
Datenvernichtung auf magnetischen Medien soll eine Datenwiederherstellung,
selbst mit einem großen Aufwand und Budget verhindern. Es
wird berichtet, dass Behörden oder Geheimdienste selbst dann
Daten rekonstruieren können wenn diese bereits 10 bis 22 mal
überschrieben wurden. Durch detaillierte Kenntnis der Datenspeicherung
auf magnetischen Medien auf mikroskopischer Ebene sind nun Verfahren
und Standards zum Löschen von Daten entwickelt worden, die
die Wiederherstellung bzw. die Rekonstruktion der Daten aus dem
Restmagnetismus auf dem Medium ausschließen.
Magnetische Medien, wie zum Beispiel eine Festplatte, speichern
ein Abbild aller Daten, die jemals darauf geschrieben wurden. Die
Wahrscheinlichkeit der Rekonstruktion einer bestimmten Datenaufzeichnung
in einem Bereich des Mediums wird immer geringer, je mehr Daten
auf das Medium in dem bestimmten Bereich geschrieben wurden. Verfahren
zur Rekonstruktion von überschriebenen Daten sind technisch
aufwendig und verlangen auch ein gewisses Budget. Dabei können
aber Daten rekonstruiert werden, die einerseits nur durch den täglichen
Gebrauch des Mediums oder andererseits auch gezielt mit einer geringen
Anzahl an Wiederholungen überschrieben wurden. Der Rekonstruktionsaufwand
steigt mit der Anzahl der Wiederholungen an. Zu beachten ist allerdings,
dass das einfache Überschreiben der Daten diese nicht auslöscht.
Das Wipen von Informationen erfordert eine gründliche Änderung
des magnetischen Feldes auf der Festplatte. Dazu ist es wichtig
unterschiedliche, jedoch spezielle Bitmuster für die Schreibsequenzen
auf das Medium auszuwählen und diese öfter zu wiederholen.
Prinzip der Datenspeicherung und versteckte Daten
Das magnetische Medium speichert Information als einen Strom von
0en und 1en, wobei eine 0 keinen Magnetismus und eine 1 den vollen
Magnetismus repräsentiert. Während dem täglichen
Gebrauch der Festplatte wird diese immer und immer wieder beschrieben,
dadurch verändert sich auch der Absolutwert für eine 0
und die volle magnetische Feldstärke entsprechend. Dies bedeutet,
dass wenn eine 0 mit einer 1 überschrieben wird die neue magnetische
Feldstärke nicht die der vollen 1 erreicht, sondern beispielsweise
nur 95% erreicht. Das ist gut genug um von der Festplatten Elektronik
korrekt interpretiert zu werden, da alle Werte größer
als 50% als eine 1 interpretiert werden. Jedoch wird dadurch enthüllt,
was zuvor auf dem Medium gestanden ist. Wenn nun das fragliche Bit
nur 90% der vollen magnetischen Feldstärke aufweist, dann kann
möglicherweise angenommen werden, dass dort zwei 0 bits und
zwei 1 bits geschrieben wurden. Dies kann man beliebig fortsetzen.
Forensische Analyse Software kann sich nun äußerst erfolgreich
diese Tatsachen zu nutze machen. Es können komplette Layer
von früheren Daten auf der Festplatte rekonstruiert werden.
Aber man muss längst nicht immer so tief graben um fündig
zu werden:
Jede Festplatte wird beim Formatieren in Windows mit dem Dateisystem
FAT, FAT32 oder NTFS beaufschlagt. Das Dateisystem unterteilt die
Festplatte in Zuordnungseinheiten, sogenannte Cluster. Sie stellen
die kleinste Einheit einer Festplatte dar, die vom Betriebssystem
verwendet werden kann. Bei großen Festplatten kann die Größe
einer Zuordnungseinheit durchaus 32 KByte und mehr betragen. Für
die Organisation der Festplatte hat dies nun zur Folge, dass kleine
Dateien von beispielsweise wenigen KByte einen kompletten Speicherblock
belegen. Der übrige Speicherplatz der Zuordnungseinheit bleibt
dabei ungenutzt.
Wenn nun Cluster mit einer Datei überschrieben werden, die
kleiner ist als die vorherige, dann bleibt im letzten Cluster ein
Bereich übrig, der nicht überschrieben wird. In diesem
Cluster, der als belegt deklariert wird, kann nicht auf den freien
Bereich ohne entsprechendes Hilfsmittel zugegriffen werden. Dies
bedeutet, dass dort die Informationen der vorigen Datei erhalten
bleiben. Diese Information kann bereits mit einem einfachen Diskeditor
ausgelesen werden.
Versteckte Daten befinden sich auch in fehlerhaften Sektoren des
Mediums. Wenn fehlerhafte Sektoren vom Betriebssystem oder der Hardware
selbst erkannt werden, werden diese als defekt markiert. Es können
damit auf diese Cluster keine weiteren Daten geschrieben werden.
Löschen mittels MCWipe
MCWipe ist ein Löschprogramm, das das sichere Löschen
von Daten ermöglicht. Hierbei werden spezielle Verfahren verwendet,
die beispielsweise vom US-Amerikanischen Verteidigungsministerium
(Department of Defense, DoD) vorgeschlagen wurden. Wipe Softwarewerkzeuge
sind aus dem Bestreben heraus entstanden der forensischen Analyse
und der Datenrettung bewußt zu widerstehen. In MCWipe werden
auf den physikalischen Sektoren des Mediums die Daten mit bis zu
36 speziellen Pattern (Bitmuster) so überschrieben, dass aus
dem übrigbleibenden Restmagnetismus keine brauchbaren Daten
mehr zu rekonstruieren sind.
Die üblichen Wipe Algorithmen, die in vielen Wipetools angeboten
werden, überschreiben die vorhandenen Dateien mit zufälligen
Zeichenfolgen, meist einfach oder dreifach und sind lediglich in
beschränkten Fällen akzeptabel. Effektive Algorithmen
zur Beseitigung aller Spuren der Daten basieren auf genauester Kenntnis
der Speicherung von Bits und Bytes auf dem magnetischen Medium.
Mehrere Algorithmen die in MCWipe implementiert wurden schreiben
mit vielen unterschiedlichen Bitmustern die auf diesen Kenntnissen
basieren auf das Medium (meistens sind dies Festplatten) um zu garantieren,
dass die Informationen sicher gelöscht werden.
Ein sehr bekannter Algorithmus ist der erweiterte US
DoD 5220.22-M (ECE), dieser wurde im NISPOM (National Industrial Security Program Operating Manual) beschrieben und definiert ein siebenmaliges Überschreiben.
Die von Peter Gutmann entwickelte Verfahren wird als sicherste bisherige
Methode angesehen, bei der die Daten 35 Mal überschrieben werden.
Die neue von MCSoft entwickelte Methode verwendet für das Überschreiben
der Daten einen CSPRNG (cryptographically secure pseudo random number
generator). Eine Methode die den Einsatz eines guten CSPRNG beinhaltet
wird als noch sicherer angesehen. Dies ist eine komplizierte Methode,
die keine definierten Bitmuster verwendet, sondern die Daten 36
mal mittels kryptographisch sicheren Zufallsfolgen überschreibt.
Laufwerke mit Schreibcache und Lesecache
Aktuelle Laufwerke haben große Schreib- und Lesebuffer, die den Zugriff auf das Laufwerk beschleunigen sollen. Wenn auf Dateien zugegriffen wird, werden diese zunächst in den Laufwerk Cache geladen um eventuelle wiederholte Zugriffe zu beschleunigen. Dadurch müssen diese Dateien dann nicht mehr vom Medium neu geladen werden. Wiederholte Schreib- und Leseprozesse auf die Dateien werden im Cache durchgeführt. Wenn nicht berücksichtigt wird, dass die Dateien im Laufwerkscache bearbeitet werden kann es sein, dass der gesamte Wipe Prozess der Datei im Buffer durchgeführt wird. Nach Abschluss des Wipe Prozesses wird die geänderte Datei nicht mehr weiter gebraucht und zurück auf das Laufwerk geschrieben. Dadurch wurde bei der Anwendung von beispielsweise der Gutmann’schen Methode die Datei in Wirklichkeit nur einmal (und nicht 35 mal) überschrieben.
MCWipe berücksichtigt dieses sicherheitskritische Problem bei Laufwerken mit Schreib- und Lesebuffern. Es wurde eine Funktion implementiert die das Zurückschreiben der Dateien aus dem Laufwerkscache auf das Medium aktivieren soll. Dadurch sollen nach jedem abgeschlossenen Schreibdurchlauf die Dateien neu auf das Medium geschrieben werden und bei jedem neuen Schreibdurchlauf die Dateien neu vom Medium gelesen werden.
Verwandte Themen:
• MCWipe ActiveX DLL
• MCCrypt Pro
• MCCrypt Lite
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